Menschen, die aus politischen Gründen in Russland inhaftiert sind, befinden sich oft in völliger Isolation. Briefe von außen sind für viele von ihnen eine der wenigen Verbindungen zur Welt – und ein wichtiges Zeichen: Du bist nicht vergessen.
Als Verein Russischsprachige Demokratinnen und Demokraten e.V. möchten wir dazu ermutigen, solche Briefe zu schreiben. Eine besonders einfache Möglichkeit bietet das System „Vestochka“.
👉 Hier kannst du direkt loslegen: https://vestochka.io/en
Die Nutzung ist kostenlos.
Der Versand und die Organisation werden übernommen. Gleichzeitig freut sich das Projekt über freiwillige Spenden, um diese Arbeit weiterhin möglich zu machen.
Was ist „Vestochka“?
„Vestochka“ ist ein Online-Service, über den man politische Gefangene in Russland anschreiben kann. Alle dort gelisteten Personen sind aus politischen Gründen inhaftiert – über manche gibt es viele Informationen, über andere nur wenige. Aber eines gilt für alle: Jede Nachricht zählt.
Du kannst:
- eine konkrete Person auswählen
- oder „Vestochka“ bitten, dein Schreiben zufällig weiterzuleiten
Ist das sicher?
Ja. Briefe an Gefangene zu schreiben ist legal, und es sind keine Fälle bekannt, in denen Menschen dafür verfolgt wurden.
Wichtig ist nur, einige einfache Regeln zu beachten (siehe unten), damit weder dir noch der empfangenden Person Nachteile entstehen.
Worüber kann man schreiben?
Stell dir vor, du lernst jemanden kennen:
- Begrüße die Person mit Namen
- Stelle dich vor (echter Name oder Pseudonym)
- Erzähle ein wenig über dich (Wohnort, Interessen, Alltag)
Gerade im ersten Brief ist es schön zu erklären, warum du schreibst. Vielleicht hat dich eine Geschichte berührt oder ihr habt ähnliche Interessen.
Danach kannst du ganz normale Dinge teilen:
- Gedanken aus deinem Alltag
- Eindrücke von einem Spaziergang
- Bücher, Filme oder Reisen
- persönliche Erlebnisse
Du musst kein schlechtes Gewissen haben, dass du ein freies Leben führst – im Gegenteil: Du teilst damit ein Stück Realität, die für die inhaftierte Person gerade unerreichbar ist.
Worüber sollte man nicht schreiben?
Alle Briefe werden von Zensur gelesen. Deshalb gilt:
- keine Details zum Strafverfahren
- keine sensiblen persönlichen Informationen
- keine Codes oder schwer verständliche Abkürzungen
- keine Beleidigungen, Drohungen oder Gewaltaufrufe
- keine expliziten Inhalte
- keine Informationen über Gefängnisse oder Sicherheitsstrukturen
- keine militärischen Themen
Sachliche, vorsichtige politische Äußerungen sind meist unproblematisch – aber im Zweifel lieber zurückhaltend formulieren.
In welcher Sprache schreiben?
Am besten auf Russisch.
Wenn das nicht möglich ist, kannst du auch auf Deutsch oder Englisch schreiben – der Text wird dann übersetzt. In der Praxis werden nicht-russische Briefe allerdings manchmal nicht zugestellt.
Kann man Bilder mitschicken?
Ja. Du kannst Fotos, Zeichnungen oder kleine Motive hinzufügen. Diese werden in der Regel schwarz-weiß ausgedruckt.
Was passiert nach dem Abschicken?
- Dein Brief wird geprüft und weitergeleitet
- Die Zustellung dauert in der Regel von wenigen Tagen bis zu einem Monat pro Richtung
- Das liegt auch daran, dass es nicht überall elektronische Systeme gibt und viele Briefe ausgedruckt und physisch zugestellt werden
- Danach folgt die Zensur (einige Tage oder länger)
Wenn du eine Antwort bekommst, erhältst du sie per E-Mail.
Falls keine Antwort kommt, kann das viele Gründe haben – Transport, Zensur oder einfach fehlende Kapazität der Person. Das bedeutet nicht, dass dein Brief unerwünscht war.
Einmal schreiben oder regelmäßig?
Schon ein einzelner Brief ist wertvoll.
Noch stärker ist es aber, eine regelmäßige Korrespondenz aufzubauen. Viele empfehlen, sich dafür bewusst Erinnerungen zu setzen.
Gemeinsam Briefe schreiben in Dresden
Wir organisieren als Verein jeden 10. Tag des Monats ein offenes Treffen in Dresden, bei dem wir gemeinsam Briefe an politische Gefangene schreiben.
- Materialien stellen wir bereit
- Vorkenntnisse sind nicht nötig
- du kannst jederzeit dazukommen
- wir können dich auch bei der Formulierung und Übersetzung (Deutsch ↔ Russisch) unterstützen
📍 Ort und genaue Uhrzeit veröffentlichen wir jeweils aktuell auf dieser Website.
Warum das wichtig ist
Briefe sind mehr als Worte.
Sie zeigen den Inhaftierten, dass sie nicht vergessen sind. Sie geben Kraft, durchzuhalten. Und sie senden auch nach außen ein Signal: Zivilgesellschaftliche Solidarität endet nicht an Grenzen.
Wenn du unsicher bist – komm einfach zu einem unserer Treffen. Gemeinsam fällt der erste Schritt leichter.

